»Moonlight« – Ein faszinierendes und ergreifendes Drama

»Moonlight« ist ein ergreifendes, faszinierendes Drama und rechtfertigt den Oscargewinn in allen Belangen.
Für das Drehbuch und die Regie ist der afroamerikanische Regisseur Barry Jenkins (Oscar für das beste adaptierte Drehbuch) verantwortlich, der »Moonlight« auf der Grundlage des nie aufgeführten Theaterstücks »In Moonlight Black Boys Look Blue« von Tarell Alvin McCraney schrieb und verfilmte.


Jenkins und McCraney sind beide in ähnlichen sozialschwachen Verhältnissen in Miami aufgewachsen und teilen somit viele Erfahrungen mit ihrem Protagonisten Chiron.
Chiron ist ein homosexueller, afroamerikanischer Junge aus einer schwierigen Gegend Miamis, seine Mutter ist crackabhängig.
«Moonlight« geht mit diesen Problemzonen sehr geschickt um. Der Film verliert sich zu keinem Zeitpunkt in Stereotypen oder Milieuklischees und wirkt auch beim Umgang mit der Homosexualität nie plakativ.
In drei Abschnitten mit jeweils neuen Hauptdarstellern spiegelt er das Leben unseres jungen Protagonisten wider.
Jeder dieser Schauspieler spielt authentisch und ausdrucksstark. Chiron kommt mit wenigen Worten aus und sagt uns doch so viel.
Die Rolle des Mentors von Chiron, Juan, einer nicht ganz so einfachen Rolle im Handlungsgefüge wird von Mahershala Ali fein nuanciert porträtiert. Auch hier ist der Oscar die passende Würdigung einer grandiosen schauspielerischen Leistung.

»Moonlight« ist sehr poetisch und zugleich lebensnah und direkt.
Wie kommt es zu diesem Zustand?
Der Film ist voller gehaltreicher und in ihrem Inhalt oft weiser Dialoge über das Ich und das Leben, für die sich der Film trotz der Mission, drei große Lebensabschnitte in einer Stunde und 51 Minuten zu erzählen, Zeit nimmt.

Das Bild ist ästhetisch, die Farben sind warm, beides wirkt dennoch nicht unnatürlich, sondern wie auch die Ausstattung und Szenenkomposition auf das Wesentliche reduziert, klar und echt.
Im Fokus stehen besonders die Gesichter der Menschen.
Es müssen also nicht immer Worte fallen, wenn die Gedanken und Gefühle auch über den Ausdruck von Mimik und Gestik beim Zuschauer ankommen.
Die Kamera ist abwechslungsreich, wird aber u.a. trotz einer
360Gradfahrt, einer Wackelbildeinstellung oder dem Filmen halb unter Wasser nicht zu dominant und verliert nicht den Blick für das Wesentliche, sondern unterstützt stets Handlung und Aussage des Filmes und erzeugt ein Gefühl der Nähe.

Auch die die besondere Dynamik des Filmes stützende Musik ist einzigartig und erscheint wie ein Portrait Chirons in seinen verschiedenen Lebensphasen (der Großteil des Soundtracks ist von Nicholas Britell).

Die perfekte Symbiose von Handlung, Schauspiel, Bild, Kamera und Musik macht aus »Moonlight« ein reines, von aller unnötigen Last befreites Kunstwerk.
Es ist jedoch auch eine sehr intime, sich auf Selbstfindung und menschliche Bindung, das Sein und das Ich des Menschen konzentrierende Charakterstudie, in dessen Licht die Schönheit, aber auch die Verletzlichkeit der afroamerikanischen Menschen erstrahlt und ihnen Würde verleiht, anstatt scheinheilig und unterschwellig sozialdeterministisch über aktuell oft prekäre Zustände zu klagen.
Nebenbei klärt »Moonlight« über diese sozialen Verhältnisse und die Problematik, in diesem Kontext schwul und gleichzeitig auch noch schwarz zu sein, sensibel und reflektiert auf.
Er ist jedoch kein wehleidiger, sondern ein kraftvoller Film, wenngleich manch einem sehr oft die Tränen kommen werden.

Release (Deutschland) 9. März 2017

Trailer (ENG)

Trailer (DEU)

Soundtrack

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