»Hereditary« – mehr als »nur« ein Horrorfilm

»Hereditary« ist einer dieser Filme, für die man »bereit« sein muss.
Denn seine Inszenierung fordert uns in vielerlei Hinsicht Einiges ab.
Vom tragischen Drama bis zur buchstäblichen Ausgeburt der Hölle. Dieser Film ist eine wahre Tortur. Warum ihr euch unbedingt darauf einlassen solltet, erfahrt ihr in der folgenden Kritik.

Um was es in Ari Asters Regiedebüt geht, kann gut herunter gebrochen werden: Verlust, Trauma und deren Verarbeitung. Davon ist Familie Graham geplagt wie keine andere. Der Film ist zunächst mal tragisches Drama, mal unheimlicher Psychothriller. Das sich langsam anbahnende Unglück mündet in Ereignissen, die wir in Form und Ausmaß nie erahnt hätten.
In dunklen und kühlen Bildern erleben wir eine zunächst atmosphärisch-subtile und dadurch ganz eigenartig intensive Spannung, die in einem grausamen, epischen Finale mündet, das uns zugleich abschreckt und fasziniert. Diesen Film muss man bis zur letzten Sekunde in sich aufsaugen, um seine ganze filmische und erzählerische Komplexität vollends erfahren zu können.

»eine unglaubliche Kraft und Intensität«

Einen essentiellen Beitrag zur Brillanz dieses Filmes trägt die hervorragende Besetzung bei. Die junge Milly Shapiro ist einem mit ihrem speziellen Aussehen und ihrer schrägen Art schon von Anfang an unheimlich, Alex Wolff als jugendlicher Sohn Peter Graham wirkt in all seinen Facetten und Umgebungen überaus glaubwürdig.
Wirklich herausstechen tut aber Toni Collette in der Hauptrolle der Mutter, die uns mit einer unglaublichen Kraft und Intensität an den Bildschirm fesselt.
Collette beschreibt auch das Thema des Films passend mit den Worten:
»I think ultimately it´s about inheriting family trauma. It´s about what you take from your family or what’s trusted upon you and how you deal with it.« Wie genau die Familie damit umgeht, müsst ihr schon selber in Erfahrung bringen. Natürlich nur, wenn ihr euch traut…

Es ist wirklich bedauernswert, dass Horrorfilme trotz aktuell hoher Beliebtheit immer noch mit vielen oberflächlichen Vorurteilen zu kämpfen haben. Das ist in etwa so ähnlich wie die Tatsache, dass viele, vor allem ältere Menschen, Kinderfilme als oberflächliche Unterhaltung degradieren. Typisch ist so z.B. auch das Herabsetzen von Videospielen, die immer häufiger filmische Elemente aufweisen und an inhaltlicher Substanz oft locker mit dem nächstbesten Action- oder sogar Arthausfilm mithalten können. Gabriel Byrne, der den Familienvater spielt, bringt es auf den Punkt: »The base or the structure of the film isn’t horror. The structure is based on reality.« Macht euch bereit für dieses nervenaufreibende Geniestück.

Es lohnt sich!

Release (Deutschland): 14. Juni 2018

Trailer (ENG)

Trailer (DEU)



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