»In den Gängen« oder »Wie deutscher Film sein sollte!«

Der deutsche Film hat eine glorreiche Geschichte. Regisseure wie Fritz Lang oder Ernst Lubitsch, Schauspieler wie Romy Schneider oder Marlene Dietrich haben das Kino für immer verändert und geprägt. Auffällt, dass all diese Menschen schon längst verstorben sind und wir sie eher in schwarz-weiß als in Farbe in Erinnerung behalten haben.

Heutzutage wird der deutsche Film von seichten Komödien, oberflächlichen Romanzen und politisch korrekten Familienfilmen dominiert. Und die, die sich nicht gerade am neuen Til Schweiger-, Matthias Schweighöfer- oder Elyas M’Barek-Hit beteiligen, eifern den großen Amerikanern nach, indem sie einen künstlich aufgeladenen Krimi nach dem anderen produzieren.

Sind wir Deutschen wirklich so langweilig, glattgebügelt und blutleer wie unsere Filme?

Mit »In den Gängen« hat uns Regisseur und Co-Drehbuchautor Thomas Stuber im vergangenen Jahr das Gegenteil bewiesen.
Dieser Film zeigt uns: Ja, wir Deutschen haben etwas zu erzählen!
Und nein, es handelt sich hierbei nicht um die Pseudoprobleme des verwahrlosten Bürgertums oder das Herumtreiben eines irren Serienkillers.
Es handelt sich um die wirklichen, wahrhaftigen, eigenen Geschichten.
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass in den USA, zu denen die Unterhaltungsindustrie seit jeher ehrfürchtig aufschaut, mehr offensichtliches Drama stattfindet als hierzulande. Dort gibt es nun einmal wirklich Unmengen echter, eiskalter Gangster und knallharte Organisationen wie FBI oder DEA, die sie verfolgen und zur Strecke bringen wollen, um die Ordnung im Land aufrecht zu erhalten. Solche Probleme haben wir im ruhigen Deutschland nicht.
Und deshalb sollten wir auch nicht so tun als ob!

»In den Gängen« widmet sich nicht den lauten Wichtigtuern, sondern den leisen Randexistenzen unserer Gesellschaft. Unaufgeregt und sachte nähern wir uns den Angestellten eines Großmarktes. Regisseur Stuber gelingt es, eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen, die zwischen Melancholie und Faszination gegenüber diesen Menschen und ihren Schicksalen wandelt. »In den Gängen« ist das Gegenteil eines hierzulande nicht seltenen Erklärfilmes. Wir erfahren wenig über die Charaktere, die Dialoge sind kurz, die Stille groß. Wir spüren eine ganz besondere Magie zwischen den beiden Protagonisten.
Möglich machen das vor allem zwei Schauspieler, die zu den besten ihres Fachs gehören: Franz Rogowski und Sandra Hüller. Rogowski ist schon allein durch seine Physiognomie und seine spezielle Art besonders.
Hüller fesselt mit feinem Charme und zerbrechlicher Sensibilität.
Auch Peter Kurth gibt dem Film mit seinem typischen Spiel eine bedrückende Schwere. Die drei Schauspieler eint etwas, was bei größeren Produktionen zu oft in den Hintergrund gerät: Sie sind nicht hübsch oder cool, sonder besonders und dadurch anmutig. Anmutig wie »In den Gängen«, einem der besten deutschen Filme der letzten Jahre, dem Werk echter Cineasten, die das Kino verstanden haben und uns die wirklichen Dramen näher bringen.

Ein Film wie »In den Gängen« zeigt: In einer wertvollen Geschichte muss nicht laut geschrien, gelacht oder gemordet werden. Wirkliche Emotionen entstehen aus wahrhaftigen Geschichten. Und um diese zu erzählen, benötigt man nicht unbedingt ein hohes Budget oder »große« Ereignisse. Der globalen Strahlkraft des »Big Brothers« sollten wir kein schwaches, flackerndes Lämpchen hinhalten, sondern eine bunte Laterne. Und das mit einem selbstbewussten Lächeln.

»In den Gängen« – Release (Deutschland) 26. April 2018

Trailer (DEU)

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